10 Tipps gegen Schreibblockaden

Schreibblockade: 10 Tipps, wie du das Monster bändigst

Ich denke alle, die mit dem Schreiben zu tun haben, kennen sie: die gefürchtete Schreibblockade. Plötzlich geht nichts mehr, die Kreativität ist versiegt, die Leidenschaft verpufft, jeglicher Reiz verloren. Allein der Gedanke an den unfertigen Text löst unangenehme Gefühle aus, wir wollen diesen entkommen, tun alles, um uns abzulenken. Aufräumen, Serien bingen, das Bücherregal umsortieren … Prokrastination ist die häufigste Reaktion auf eine Schreibblockade.

Aber widmen wir uns doch den hoffnungsvolleren Themen. Ich habe einige Tipps für dich zusammengetragen, die ich selbst anwende oder von anderen Autor:innen aufgeschnappt habe. Bei diesen Tipps geht es in der Regel nicht darum, sich trotz der Blockade irgendwie ans Manuskript zu bekommen oder gegen den inneren Widerstand anzukämpfen, sondern darum, die Lust am Schreiben wieder zu wecken. Die Reihenfolge ist im Übrigen willkürlich gewählt.

Hinter Schreibblockaden stecken oft Ängste, Zweifel und Stress. (freiundfantastisch-lektorat.de)

Bei allen Tipps gilt: versuche nicht, etwas zu erzwingen, gib dir Zeit. Hinter der Blockade stecken in den meisten Fällen Ängste, Zweifel, Stress. Du stehst also ohnehin schon unter enormer Anspannung, auch wenn du diese vielleicht gar nicht so bewusst wahrnimmst. Das Letzte, was du gebrauchen kannst, ist noch mehr Druck. Daher lautet Tipp 1:


1. Nimm den Druck raus

Hör auf, dich wegen der vermeintlichen »Unfähigkeit« selbst zu verurteilen oder dir ständig vorzuhalten, dass du schon wieder kein Wort geschrieben hast. Genau dieses Denken wird dich weiterhin vom Schreiben abhalten. Falls dein oder dein(e) innere(r) Kritiker:in so hartnäckig ist wie meine, weiß ich sehr gut, wie schwer das ist. Aber halte dir mal vor Augen, wieso ich diesen Blogartikel geschrieben habe: weil so viele Autor:innen temporär oder sogar chronisch von Schreibblockaden betroffen sind.

Du bist also nicht allein und auch nicht unfähig oder komisch. Du bist nicht weniger Autor:in, wenn du mal eine Zeit lang nicht schreibst. Versuche daher bewusst, etwas nachsichtiger und verständnisvoller mit dir umzugehen, und sage dir selbst, dass es okay ist, wenn du dem Schreibtisch eine Weile fernbleibst.


2. Überarbeiten statt schreiben

Wenn ich in einem Manuskript nicht weiterkomme, weil ich es aktuell nicht richtig »fühlen« kann, beginne ich häufig noch einmal von vorne. Nicht mit dem Schreiben, sondern ich lese das Ganze von Anfang an und überarbeite dabei sorgfältig. Meistens gelingt mir das Überarbeiten nämlich auch während einer Schreibblockade. Es ist mir nicht selten passiert, dass ich mich dadurch noch einmal mit dem anfänglichen Fieber infiziert habe, dass mich überhaupt dazu getrieben hat, mit der Geschichte zu beginnen. Und wenn es nicht klappt, dann gewinnt der bisherige Text wenigstens durch die Überarbeitung und ich habe nicht das Gefühl »völlig unpropduktiv zu sein«.

Wenn es dir schwerfällt, dich überhaupt mit deinem Manuskript zu beschäftigen, könntest du dich alternativ auch der Recherche widmen. Dadurch tust du etwas für dein Buch, ohne dich direkt damit auseinandersetzen zu müssen.


3. Lies ein Buch

Wenn die eigene Geschichte gerade nicht will, dann beschäftige dich doch einfach mit der von jemand anderem. Nimm dir ganz bewusst Zeit dafür und schaffe dadurch Abstand zu deinem Manuskript. Es hat nicht unbedingt etwas mit Prokrastinieren zu tun, wenn du dich bewusst dazu entscheidest, dich erst mal anderem zu widmen. Lesen wirkt entspannend (je nach Genre mehr oder weniger :D) und inspirierend. Vielleicht merkst du mitten im Buch, dass dich nun doch deine eigene Geschichte ruft. Wenn nicht, dann hast du eine schöne Zeit mit den Worten einer anderen schreibenden Person.


4. Tagebuch schreiben

Vielleicht hilft es dir, wenn du ganz frei, ohne Vorgaben oder Ziel schreibst. In einem Tagebuch könntest du deine Gedanken ungefiltert zu Papier bringen, ohne dass sie besonders gut klingen oder die Formulierungen »sitzen« müssen. Niemand wird sie lesen und bewerten. Schreib einfach auf, was dich beschäftigt, was du erlebt oder geträumt hast. Wenn mein Kopf zu platzen droht, empfinde ich es als ungemein erleichternd, diesen Gedankenwust komplett rauszulassen. Außerdem tut es ganz gut, hin und wieder mit der Hand zu schreiben, statt mit der Tastatur. Obwohl es natürlich auch möglich ist, ein digitales Tagebuch zu führen. Wie immer es dir beliebt. Aber es kann in jedem Fall nicht schaden, mal zu testen, ob dich das Schreiben per Hand weniger hemmt.


5. Hinterfrage deine Haltung zum Schreiben

Wenn du magst, könntest du versuchen, deiner Schreibblockade auf die Spur zu kommen. Wie ich eingangs schrieb, liegen häufig Ängste, Selbstzweifel oder Stress dahinter. Du könntest also reflektieren, woher diese rühren. Welche negativen Glaubenssätze trägst du möglicherweise in dir? Welche Sorgen und Befürchtungen verbindest du unbewusst mit dem Schreiben? Gab es vielleicht einen Auslöser wie z. B. eine schlechte Rezension oder einen fiesen Kommentar bei Social Media? Verlangst du dir eventuell zu viel ab und setzt dich unabsichtlich unter Druck?

Meistens hilft es schon, wenn wir wissen, was uns gerade hemmt. Davon ausgehend lassen sich Strategien entwickeln, um diesem destruktiven Einfluss entgegenzuwirken. Im Falle der negativen Rezension etwa könntest du dir all die positiven Rezensionen vor Augen führen. Vielleicht schreibst du sie auf kleine Zettel und füllst diese in ein Glas. So kannst du jeden Tag einen ziehen und dich daran erfreuen.

Achtung: Je nach Stimmung kann es eher abträglich sein, die Gründe für die Blockade »bei sich selbst« zu suchen. So könnten zusätzlich noch Schuldgefühle entstehen. Wenn du ohnehin mit negativen Gedanken kämpfst, richte deine Aufmerksamkeit lieber auf die positive Seite. Frage dich z. B.: Was kann ich aktuell für mich tun? Was brauche ich, damit es mir besser geht? Wie könnte ich das Schreiben künftig für mich angenehmer gestalten?

Tipps gegen Schreibblockaden: Was brauche ich, damit es mir besser geht? Was kann ich mir Gutes tun?

Du könntest die Zeit nutzen, um deinen Schreibplatz schön einzurichten, um dir einen Ort zu schaffen, an dem du dich richtig wohlfühlst. Wie wäre es mit einem hübschen neuen Notizbuch, einem besonderen Stift oder einer süßen Tasse für deinen Kaffee oder Tee. (Du könntest diese Dinge auch aus Gebrauchtem selbst gestalten, statt neu zu kaufen.)


6. Diktieren statt schreiben

Manchmal ist eine Schreibblockade ja wortwörtlich nur eine Blockade beim Schreiben und nicht beim Ersinnen von Ideen und Formulierungen. Möglicherweise hast du ja momentan einfach keine Lust am Schreibtisch bzw. vor dem Bildschirm zu sitzen und trotzdem hast du eine Geschichte zu erzählen. Für diesen Fall könntest du die Diktierfunktion deines Smartphones nutzen.

Probiere doch mal aus, wie es sich für dich anfühlt, die Geschichte laut zu erzählen, statt aufzuschreiben. Hinterher kannst du sie immer noch abtippen oder lässt das Audio in Text umwandeln. Frag mich bitte nicht, wie. Ich persönlich habe keine wirklichen Erfahrungswerte. Ich habe ein einziges Mal versucht, eine Szene zu diktieren, weil sie rausmusste und ich gerade nichts zum Schreiben zur Hand hatte. Es war eine Katastrophe, weil ich beim Ende eines Satzes schon nicht mehr wusste, wie er angefangen hat, und ich mich in einem fort verhaspelt habe. Ich habe für mich gemerkt, dass ich den Text vor Augen brauche, um mich richtig darauf konzentrieren zu können. Aber das muss ja nicht für dich gelten. Ich kenne Kolleginnen (nicht gegendert, da es tatsächlich alles Frauen sind), die die Diktierfunktion gerne und regelmäßig nutzen. Und vielleicht lässt sich damit ja sogar der Schreibblockade ein Schnippchen schlagen.


7. Widme dich einer Aufgabe, die du schon lange aufschiebst

Wieso nicht das Ärgernis nutzen, dass du dich momentan nichts aufs Schreiben konzentrieren kannst? Statt vor dem Laptop zu sitzen und sinnlos vor dich hinzustarren oder Produktivität vorzuschieben, könntest du dich unliebsamen Aufgaben widmen. Solchen, denen du sonst gern aus dem Weg gehst, weil sie dich vom Schreiben abhalten. Jetzt hast du keine Ausrede mehr. Also ran an die Steuererklärung oder was auch immer für gruselige To-Dos seit Wochen oder gar Monaten auf deiner Liste stehen.

Erstens nutzt du deine Zeit dadurch sinnvoll. Zweitens bekommst du diesen nervigen Kram endlich abgehakt, was hinterher mit Erleichterung belohnt wird. Ein gutes Gefühl also, dass mit Sicherheit deine Stimmung hebt und Stress reduziert. Und drittens: Möglicherweise kommt dein Unterbewusstsein zu dem Schluss, dass es doch besser ist, zu schreiben, als sich mit so einem nervenraubenden Zeug rumzuschlagen. Und schwupp bist du gleich viel offener für dein Schreiben.


8. Mache Schreibübungen

In den weiten des Internets gibt es haufenweise Inspirationen und Ideen für Schreibübungen. Teste doch einmal, ob du dir mit so einer ungezwungenen Übung nicht ein paar Wörter entlocken kannst. Oft entstehen Schreibblockaden, weil wir das Schreiben zu sehr terminieren und kalkulieren. Deadlines, tägliche Schreibziele, die erfüllt werden müssen usw. Manchmal konzentrieren wir uns zu stark auf das Ergebnis, das wir anstreben, und vergessen dabei, den Prozess zu genießen.

Mit einer eher spielerischen Übung, bei der es weder einen zu erreichenden Wordcount noch eine Deadline gibt, kann die Kreativität wieder freier schalten und walten. Es kommt auch gar nicht darauf an, dass der entstandene Text vorzeigbar ist. Im Gegenteil könntest du dir z. B. vornehmen, die Texte besonders albern oder »schlecht« zu schreiben. Ignoriere doch einfach mal alle Stilvorgaben, die du sonst so einhältst, und baue so viele Wortwiederholungen, Adjektive, Filter- und Vampirverben wie möglich in den Text ein.


9. Überdenke dein aktuelles Schreibprojekt

Möglicherweise hat deine Schreibblockade nichts mit dem Schreiben an sich zu tun, sondern hängt mit deinem momentanen Projekt zusammen. Manchmal ist einfach nicht die richtige Zeit für eine bestimmte Idee. Dann kann es helfen, wenn du sie erst mal liegen lässt und dich einem anderen Schreibprojekt widmest. Es könnte aber auch sein, dass dir dein Unterbewusstsein mit der Blockade mitteilen will, dass etwas mit dem Projekt nicht stimmt. Ein dicker Fehler im Plot? Fehlt dir die Verbindung zu den Protagonst:innen? Oder ist die Idee grundsätzlich noch nicht richtig ausgereift?

Wenn du die Vermutung hast, dass etwas Grundlegendes nicht stimmt, hilft dir sehr wahrscheinlich der Austausch mit anderen. Es könnte ein guter Zeitpunkt sein, um dir eine Schreibgruppe zu suchen. Bitte alternativ Testlesende, das bisherige Manuskript zu lesen. Teile ihnen im Vorfeld mit, dass du nicht weiterkommst und nicht weißt, woran es liegt. Oder erzähle jemandem von der Idee und frage die Person, was sie davon hält. Sei offen für Input, aber schütze dich unbedingt vor destruktiver Kritik, indem du Personen deines Vertrauens auswählst.

Ich habe einmal ein Jahr gebraucht, um eine Reihe fortzusetzen, weil es mir trotz aller Liebe unmöglich war, in diese Welt und zu diesen Charakteren zurückzukehren. Ich konnte die Atmosphäre und den Vibe der Reihe nicht fühlen oder nicht ertragen; ich kann es nicht so genau sagen. Andere Projekte waren kein Problem, aber sobald ich mich an die Fortsetzung machen wollte, war ich gehemmt. Es ging einfach nicht und hat sich völlig falsch angefühlt. Daher habe ich es schweren Herzens sein lassen, bis der Knoten irgendwann von allein geplatzt ist und ich ganz unverhofft eine schlaflose Nacht damit verbracht habe, an meiner Fortsetzung zu plotten. Im Zweifelsfall hilft also nur, der Sache Zeit zu geben.


10. Nutze die Zeit fern des Schreibtisches für Bewegung

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich bin ein totaler Bewegungsmuffel. Ich muss mich meist zwingen, regelmäßig Sport zu machen, damit sich mein Rücken wegen des vielen Sitzens nicht bemerkbar macht. Dabei weiß ich sehr wohl, dass Bewegung guttut, dass schon kleine Einheiten die Stimmung aufhellen und den Kopf klären können. Wenn du dir den Kopf endlich mal freipusten willst und es dir körperlich möglich ist, dann power dich doch mal so richtig aus.

Bei mir wirkt Tanzen wahre Wunder. Egal, ob ich online ein Dance-Workout mache oder einfach 5 Minuten zu lauter Musik ohne Hemmungen abzappele, danach bin ich nicht nur geschafft, mein Kopf ist zudem angenehm leer und ich fühle mich ein bisschen wie neu geboren. Hinterher sieht die Welt meistens ganz anders aus und vieles, was mich zuvor belastet hat, verliert an Schärfe und Gewicht.

Wenn es mich eher nach Ruhe verlangt und ich unruhig und nervös bin, hilft mir besonders Yoga. Danach fühle ich mich meist wieder geerdet und mehr in mir, sodass all die äußeren Reize, denen wir heutzutage dank Social Media und Co. so enorm ausgeliefert sind, weiter in die Ferne rücken.

Das sind bloß meine persönlichen Erfahrungen/Empfehlungen. Für dich könnten ganz andere Bewegungsformen infrage kommen. Es ist auch relativ egal, ob du lieber spazieren gehst, Hanteln schwingst oder schwimmst, Hauptsache, du bewegst dich und bietest deinem Körper eine Auszeit. Manchmal genügt diese allein, um eine Schreibblockade zu überwinden. Und wenn nicht, tust du deinem Körper damit (im richtigen Maß) in jedem Fall einen Gefallen.


Das waren meine 10 Tipps gegen Schreibblockaden

Ich hoffe, es war etwas dabei, dass dir weiterhilft. In der Zwischenzeit drücke ich dir die Daumen, dass du bald wieder unbeschwert in die Tasten hauen kannst. Falls du meine Methoden getestet hast oder selbst ein paar Tipps hast, teile deine Erfahrungen, wenn du magst, in den Kommentaren. Und wenn du Unterstützung mit deinem fertigen Manuskript brauchst, melde dich gern.

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